Titelbild West Highland Way von Milngavie bis Drymen

Er ist endlich da. Mehr als 7 Monate habe ich auf diesen Tag hin gefiebert. Es geht nach Schottland, auf den West Highland Way. Nicht ganz ohne Probleme im Vorfeld. Die Fluggesellschaft nervt ein wenig mit Umbuchungen, ich starte nun von Leipzig. Mein Rückenproblem ist nicht weg, vorletzte Woche hat mich eine Erkältung noch mal richtig niedergestreckt. Keine tollen Vorzeichen eigentlich, aber ich bin Feuer und Flamme.

Es gibt einen Zwischenstopp in Düsseldorf, der Weiterflug nach Glasgow verläuft aber ohne Probleme. Es sind jeweils Propellermaschinen die mich ans Ziel bringen, etwas lauter als sonst, aber durchaus interessant. Sie fliegen tiefer als Düsenjets, so lassen sich durchs Fenster mehr Details am Boden erkennen. Wir landen pünktlich, mein mit Folie eingewickelter Rucksack hat den Transport gut überstanden, alles OK. So, gleich noch einige Pfund am Automaten besorgen, der gleich neben der Gepäckausgabe steht, und dann ab zum Ausgang.

Angekommen. Und wo ist der West Highland Way?

Nach meinen angelesenen Informationen müsste gleich am Ausgang der Bus der Linie 500 stehen, ein 24-Stunden Shuttle Bus nach Glasgow. Und so ist es auch. Das läuft ja alles wie am Schnürchen. Das nimmt so etwas die Aufregung, ob auch alles klappt. Ich steige in der Nähe der Glasgow Queen Street Station aus. Sie liegt an der Buchanan Street, wo es auch einen Sportartikelausrüster gibt, ich brauche Gas und noch so ein Zeug gegen die Midges (winzige Fliegen die gemein zubeißen sollen), Smidge genannt. 8 Pfund (ca.11 Euro) für das kleine Fläschlein? Wucher, aber na ja.

Leider verläuft die Suche nach etwas zu Essen und zu trinken nicht ganz so erfolgreich. Etwas orientierungslos irre ich herum, es dauert mehr als eine Stunde, bis ich etwas Passendes gefunden habe. Die Stadt ist quirlig und laut und voller Trubel. Deshalb bin ich schlussendlich ganz froh, nun endlich meine Fahrkarte nach Milngavie in der Hand zu halten. Nach einiger Zeit kommt dann auch mein Zug und ich fahre aus dem Fenster blickend dem Startpunkt entgegen. Endlich.

Durch mein herumirren in Glasgow habe ich leider etwas Zeit verloren, leider. Am Startpunkt frage ich einen jungen Mann, ob er von mir das obligatorische Startbild machen könnte. Bei der kurzen, abgehackten Verständigung bekomme ich heraus, das er zwar auch auf den West Highland Way laufen wird, es aber nur ein Teil seiner Wanderung ist. Er läuft Großbritannien von unten nach oben, wow, hat also schon einige Kilometer in den Beinen. Beeindruckend. Wir wünschen uns gegenseitig gutes Weiterkommen und verabschieden uns. Das Abenteuer beginnt nun richtig und das bei bestem Wanderwetter.

Die ersten Schritte auf den WHW

Ich bin zwar fremd hier, doch werde ich durch den Weg nicht allein gelassen. Viele Schilder zeigen die Richtung an, die ich zu gehen habe, das soll auch die ganze Zeit so bleiben. Vorbildlich. Es geht noch kurz einige Wege in Milngavie entlang und dann ist man praktisch auch schon raus aus der Stadt. Sofort merkt man, das es auch in Schottland Frühling ist. Lila Glockenblumen säumen die Wegesränder, ein angenehm blumiger Duft kringelt sich um die Nase. Sattes grün, alsbald werden die erstes goldgelben Ginsterbüsche sichtbar. Das ist Schottland? In meinen Kopf sind Bilder von kargen und bleichen Wiesen sowie Feldern. Und dann sowas? Klasse, eine erste positive Überraschung.

Whisky und mehr Grün als gedacht

Die folgenden Kilometer sind geprägt von großen Weideflächen, wo seltsamerweise oftmals nur wenige Schafe darauf weiden. Die Landschaft ist allerhöchstens als hügelig zu bezeichnen, die „richtigen“ Highlands kommen erst nach dem See Loch Lomond. Aber es ist schön so, gemütlich irgendwie. Vorbei an einem See, dem Craigallian Loch, sieht man in der Ferne die ersten kleinen Erhebungen, an denen man dann noch vorbeilaufen wird. Nun folgt man einem Weg, der auf einer früheren Bahnlinie errichtet wurde. Immer wieder mal erläutern informative Schilder diese kleinen Gegebenheiten. In einiger Entfernung sehe ich die Glengoyne Distillery, für Whisky Kenner sicher ein Begriff.

Es ist nun bereits früher Abend. Nach ca. 19 km biete ich vom Weg etwas ab, um in das kleine Örtchen Drymen zu kommen. Ich werde in einem kleinen Markt fündig, etwas zu Essen und Wasser. 1 km später bin ich wieder auf dem Weg und tauche in den Garadhban Forest ein, ein Waldstück oberhalb von Drymen. Im Vorfeld habe ich einen kleinen Stausee in diesem Wald ausgemacht, da will ich hin. Der Weg schlängelt sich durch den Wald, hier und da stehen erste Zelte, deren Bewohner schon beim Zubereiten des Essens sind.

Ehrlich gesagt, danach wäre mir auch schon. Doch ein Stück habe noch, leider zieht es sich nun doch recht unangenehm. Auf einer Straße geht es nun den Berg hinauf, wo ich bald abbiegen müsste. Aber kein Weg, nur kleine Bäume und Buckelwiese. Ich habe es gerade ein wenig satt, ein kleines Tief überkommt mich. Es war ein langer Tag bis hierher. Nach einer gefühlten Ewigkeit finde ich den Abzweig zum See, doch der See selbst ist weit und breit nicht zu sehen.

Wiedermal komplett verschätzt

Tja, so ist das nun mal. Oftmals verschätzt man sich, wenn man auf der Karte etwas ausspäht. Die Realität belehrt einen dann oft eines besseren. Ich bemühe mein Telefon mit GPS und Karte, da lang müsste es gehen, aber das sind nur kleine Bäume und kein Weg. Arrrggss, das ist gerade gar nicht lustig. Ich habe eine Anreise und annähernd 25 km in den Knochen, für den Augenblick bereue ich es, die ein oder zwei Zeltmöglichkeiten vorher nicht genutzt zu haben.

Ich kämpfe mich durch die Bäume, es geht nur sehr langsam voran und ich muss aufpassen, nicht irgendwo hängen zubleiben. Aber dann, endlich tauch das Reservoir vor mir auf. Doch ein kleiner Zaun versperrt mir den Weg. Nee, das kann jetzt nicht sein, wirklich nicht. Nach einigen Suchen finde ich eine Lücke. Mir ist zwar etwas mulmig bei dem Gedanken, aber das ist nun egal, hierher wird nun niemand mehr kommen und morgen früh bin ich zeitig wieder weg.

Nun gilt es das Lager zu bereiten. Es fehlt noch etwas die Routine, von der Sicherheit das Zelt richtig aufzubauen ganz zu schweigen. Ich brauche eine halbe Stunde, dann ist aber alles so, das es passen könnte. Zelt steht, check, Matte ist aufgeblasen, check, Sachen sind verstaut, check, passt soweit. Ich setzte mich auf die Mauer, an der ich Zelte. Am Himmel keine Wolke, es ist ruhig hier draußen, auf der anderen Seite geht die Sonne hinter dem See unter. Ich fahre langsam runter, die Anspannung weicht einem Gefühl der Zufriedenheit. Es hat alles soweit super geklappt, die Wanderung war toll und nun hier bei der Stimmung, einfach klasse.

Es geht ab ins Zelt, es ist frisch geworden. Ich brauche einige Zeit, bis ich meinen Schlafsack justiert habe und er auch das macht, was ich gerne hätte. Als Bauchschläfer gar nicht so einfach. Aber wir arrangieren uns und es liegt sich gar nicht so übel. Ich bin nun doch etwas geschafft und brauche gar nicht lange, bis ich zufrieden einschlafe.

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