Titelbild vom Gardasee. Eine Wanderung von Garda zum Passo del Camino

Der Gardasee ist bei vielen ein beliebtes Urlaubsziel in Italien. Zigtausende machen sich jedes Jahr auf, um die kleinen Städtchen zu bevölkern, das schöne Wetter zu genießen oder einfach nur baden zu gehen. Das ist ja auch alles ganz schön, wäre da nicht immer der Blick in Richtung Monte Baldo Gebirgszug, der einen förmlich einladend anfleht, nicht nur zu blicken, sondern auch hinauf in die Berge zu wandern.

Und diesem Flehen wollten meine Frau und ich nachkommen. Nach einigen suchen und stöbern, hatten wir uns eine Tour ausgesucht. Am südlichen Höhenzug des Monte Baldos hinauf sollte es von Prada aus aufwärtsgehen. Dies war ein kleines Örtchen auf der östlichen Seite des Gardasees, welches auf ca. 1000 m Höhe liegt. Die Anfahrt war steil und kurvenreich, das Wetter an diesem Tag wie bestellt, bestes Wanderwetter. So starteten wir am Parkplatz des Sesselliftes. Dieser war aufgrund von Bauarbeiten derzeit nicht in Betrieb, was uns aber nicht störte, da wir ja zu Fuß den Berg erklimmen wollten.

TRAUMHAFTE AUSSICHTEN AUF DEN GARDASEE

Direkt nach dem Parkplatz ging es auch schon steil bergan, auf kleinen Wegen und Schotterstrecken folgten wir Wegnummer S44. Erste Zwischenetappe sollte die Mittelstation des Sesselliftes sein. Schnell gewannen wir an Höhe, drehte man sich um, wurde die Aussicht mit jedem Höhenmeter besser. Für einen, der nur Hügel im Erzgebirge gewohnt ist, ist das schon spektakulär. Der See liegt tief unten, auf der anderen Seite türmt sich ein anderer Gebirgszug auf, ähnlich dem, den man gerade besteigt. Ich bin begeistert…

Oft hatte ich schon gelesen, dass es auf dem Monte Baldo Murmeltiere geben soll. Ich bisschen gespannt war ich also schon, ob ich zum ersten Mal diese putzigen Tierchen sehen sollte. Erste Anzeichen von deren Anwesenheit entdeckten wir in der Nähe eines Haltemastes für den Sessellift. Löcher in der Erde deuteten auf einen Unterschlupf der Tiere hin, leider zeigte sich keines von Ihnen. Aber sie waren da. Vorbei an der Mittelstation ging es weiter Richtung Refugio G.Chierego, welches auf 1911 m Höhe liegt. Inzwischen ist es doch etwas frisch geworden, die zunehmende Höhe macht sich deutlich bemerkbar.

WAS IST DA HINTER DEM BERGE?

Auch wenn die Wegstrecke nicht lang war, das stete und steile bergauf ist ungewohnt und macht sich bemerkbar. Da tut so eine kleine Rast wirklich gut. Und die Aussicht ist zudem noch spannend und fesselnd. Von hier sehen wir genau auf dem Kamm, auf unsere Aufstiegsseite ist eigentlich tolles Wetter, von der anderen Seite ziehen Wolkenschwaden den Gebirgskamm hoch und schwollen ein wenig darüber, um sich dann aber schnell zu verflüchtigen. Ein tolles Schauspiel was sich uns da bot, von der grandiosen Aussicht erst gar nicht zu reden. Unser Ziel ist hiermit eigentlich erreicht, doch haben wir weniger Zeit benötigt, als eingeplant. Kurzentschlossen entscheiden wir uns, noch ein Stück in Richtung Refugio Telegrafo zu gehen.

Der Weg ist nun nicht mehr so steil, wir umrunden eine kleine Bergkuppe und treffen alsbald auf Wild, was gar nicht so scheu ist. Gämsen, Bergziegen? So richtig kann ich das nicht einordnen, trotzdem ein schöner Anblick. Nur ein Murmeltier gab es bisher noch nicht zusehen. Wir sehen ein Hinweisschild mit rot-weiser Markierung und einer 1, ohne Angabe der Einheit. Bestens, das schaffen wir, ohne uns weiteres dabei zu denken.

HÖHENANGST UND WEICHE KNIE

Nach einigen hundert Metern kommen wir am Passo del Camino an, einem kleinen Durchbruch auf 2121 m Höhe. Von hier aus sehen wir einen kleinen und steilen Abstieg. Gefolgt wird dieser von einem sich an der Felswand anschmiegenden Weg, von welchen man oft nur einige Biegungen sieht. Puhh, das sieht…na ja, respekteinflößend aus. Obwohl der Weg nicht als schmal zu bezeichnen ist, geschätzte 1,5 m breit, geht es doch auf der abschüssigen Seite mehrere hundert Meter unaufhaltsam abwärts. Für jemanden mit Höhenangst, ein guter Zeitpunkt, um den Rückweg anzutreten. Zu meiner großen Überraschung muss ich feststellen, dass der Ehrgeiz Besitz von meiner Frau ergriffen hat. Sie geht mutig voran und etwas zögerlich folge ich ihr mit doch etwas weichen Knien.

Langsam, immer links haltend laufen wir langsam weiter. Biegung um Biegung umrunden wir, ohne dass das Rifugio Telegrafo in Sicht kommt. Dann kommt ein weiteres Schildchen, 0,5 steht drauf. Völlig auf den Weg fixiert, ist kein Raum um sich darüber Gedanken zu machen. Es ist frisch geworden, ab und an kommt eine Wolke an uns vorbeigezogen. Nach 3 oder 4 Biegungen kommt das Rifugio etwas oberhalb am Berg zum Vorschein, zu mindestens erhaschen wir einen Blick darauf. Aber irgendwas stimmt mit der Kilometerangabe nicht…mhhhh. Es wird nebelig, die Sicht fällt nach der nächsten Biegung rapide ab. Es kommen uns Wanderer entgegen, die ziemlich eingepackt sind, lange Hose und Regenjacke mit Kapuze. Wir sehen unseren Atem, so frisch ist es gerade.

DARAN WERDEN UNS NOCH LANGE ERINNERN

Gern hätten wir das Rifugio Telegrafo noch erreicht, doch unter diesen Umständen beschließen wir lieber umzukehren. Ein Cappuccino ist es uns nicht wert, sich deswegen irgendwie in Gefahr zu bringen. Wir laufen also zurück und machen noch einmal halt im Rifugio Chierego. Hier holen wir den „verloren gegangenen“ Cappuccino nach. Gedanklich gehen wir nochmals unser kleines und ungeplantes Abenteuer durch, genau wissend, dass man sich an so etwas noch sehr lange erinnern wird. Das ist immer so, wenn Emotionen mit ins Spiel kommen, sei es Freude, Anstrengung oder dieses gewisse Kribbeln, wenn man etwas über seinen eigenen Schatten springen musste.

TRAUMHAFT – MURMELTIERE AM GARDASEE

Für den Abstieg wählen wir eine geringfügig andere Route. Wegnummer 655 führt uns erst ein Stück am Kamm abwärts um dann später durch Wälder und Wiesen in Richtung Prada zu führen. Vergessen ist die Anstrengung, mit jedem Meter wird die Temperatur wieder angenehmer und immer diesen Ausblick vor Augen. Und dann, komme ich wenig später doch noch zu meinem Murmeltier. Auf einer Wiese vor seinem Bau steht es da wie eine gemalt. Putzig und knuffig sieht es aus, ich freue mich wie Bolle über diese Begegnung.

Wir steigen weiter gemächlich ab, als wir kurz vor Prada einen weiteren Wegweiser passieren. Und da schießt es mir wie ein Blitz in den Kopf. In Italien werden nicht, wie bei uns die Kilometer angegeben, sondern die ungefähre Zeit, die man für das Ziel benötigt. Also nicht am Wegweiser zum Rifugio Telegrafo noch ein Kilometer, sondern noch eine Stunde! Oh Mann, wie peinlich. Bin ich doch in Tirol auch schon mit dem MTB unterwegs gewesen und hätte es besser wissen müssen. Eieiei…wir schauen uns an und müssen herzhaft loslachen.

Am Ende kommen wir wohlbehalten am Ausgangspunkt an, beschenkt mit vielen Eindrücken und einem kleinen Abenteuer. Es war anstrengend und schön zugleich. Es hat sich gezeigt, warum der Gardasee für viele so beliebt ist. Jeder findet hier etwas für sich, sind es die Badefreunde, die Wanderer oder die Radfahrer, alle werden befriedigt. Auf alle Fälle werden wir noch lange an diesen Tag zurückdenken und können diese Tour nur jedem Wanderbegeisterten ans Herz legen, es lohnt sich wirklich.

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