Blasen - Tipps und Anregungen

In der Zunft der Wanderer sind sie ein viel besprochenes und beschriebenes Thema, doch kenne ich keinen, der ein Patentrezept gegen Blasen hat, weil es wohl schlicht auch keines gibt. Zu unterschiedlich sind die anatomischen Voraussetzungen, die Sensibilität der Fußsohlen oder die Vermeidungstaktiken der einzelnen Protagonisten. Und dennoch lässt sich einiges machen, was die Wahrscheinlichkeit, Blasen zu laufen, doch etwas verringern sollte.
Es gibt sicher schon eine Vielzahl an Beiträgen und Tipps die sich mit dem Thema befassen, doch möchte ich mit meinen Erfahrungen und meiner Herangehensweise versuchen, etwas zum Thema beizutragen. Eventuell findet der ein oder andere doch noch Anregungen oder einen Lösungsansatz für sich, um besser mit dem Thema umgehen zu können.

Was führt zu Blasen und wie entstehen sie
Die Haut des Menschen besteht aus mehr oder weniger dünnen Schichten. Oberste Schicht ist die Oberhaut (Epidermis). Darunter befindet sich die sogenannte Lederhaut (Dermis) mit Haarwurzeln, Schweißdrüsen und Blutgefäßen. Unterste Schicht ist die Unterhaut (Subcutis).

Durch Reibung oder erhöhtem Druck lösen sich diese einzelnen Schichten voneinander ab. Unser Körper versucht infolge dessen, diese Irritation durch Einlagerung von Flüssigkeit zu lindern oder dem Ganzen entgegenzuwirken. In ganz schlimmen Fällen kann es auch zu Einblutungen kommen, was wohl der schlimmste Fall einer Blase wäre und ganz sicher nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte.

DAS SOLLTET IHR VERMEIDEN

Leider gibt es eine Vielzahl an Ursachen, die Reibung oder Druck auf unserer Haut, in diesem Fall auf die Fußsohle und die Zehen, auslösen können. Zum Beispiel neue Schuhe aus Leder. Das Material ist bei Neukauf noch nicht richtig flexibel, es kann an einigen Stellen drücken und scheuern. Mit zunehmender Nutzung wird das Leder geschmeidig, dehnt sich etwas, der Schuh „läuft“ sich ein. Weitere Gründe sind Falten in den Socken, weil sie zu weit oder zu groß sind, Dreck, Schmutz oder Steinchen im Schuh, die einen auf Dauer unangenehmen Druck aufbauen. Zu enge Schuhe, zu schmutzige Socken, Feuchtigkeit durch Nässe und Schweiß, auch Wärme, alles kann dazu beitragen, das es irgendwo reibt und drückt, was über kurz oder lang zu einer Blase führen kann. Was also tun?

Vorbeugen statt Nachsorgen
Die gute Nachricht: Es gibt durchaus einige Dinge, die wir vorab oder  während des Wanderns angehen können, um die Wahrscheinlichkeit einer Blasenbildung zu verringern. Die Gefahr ganz zu eliminieren geht wohl nicht, aber besser Vorbeugen statt Nachsorgen. Nachfolgend einige Punkte dazu:

Fußpflege
Gepflegte Füße sind ein guter Grundstein, um sich Blasen gar nicht erst zu holen. Cremt eure Füße regelmäßig ein, nicht nur einen Tag vor einer großen Wanderung. So bleibt die Sohle geschmeidig. Am besten ihr nehmt eine spezielle Fußcreme dazu, sehr bewährt und vielfach empfohlen hat sich dabei Hirschtalg. Von der Konsistenz etwas fester als normale Creme lässt er sich doch gut in der Haut einmassieren. Benutzt Hirschtalg vor der Wanderung nochmal, damit solltet ihr eure Wanderung deutlich besser überstehen.

Auch das Pflegen der Zehennägel kann manchmal den Unterschied machen. Ich empfehle euch, diese Pflegemaßnahme nicht direkt vor einer Wanderung zu machen. Der fehlende Zehennagel gibt ein Stück Haut frei, welches vorher geschützt durch den Nagel, nun der Belastung preisgegeben ist und sicher empfindlich darauf reagieren wird. Der Vorgang sollte also sinnvollerweise ein paar Tage vor einer Wanderung erledigt werden.
Habt ihr die Möglichkeit im Haus oder im Garten barfuß zu laufen? Prima, dann tut dies. So mutet ihr euren Füßen etwas mehr zu, sie müssen sich anpassen und die Sensibilität wird gesenkt. Außerdem kräftigt ihr dabei noch ihre Fußmuskeln, was ein netter Nebeneffekt ist.

SOCKEN – FÜR MANCHE EIN KOMPLEXES THEMA

Oh je, eine Wissenschaft für sich, für manche zu mindestens, ein Leidensweg auch für mich. Es gibt so viel Auswahl, an Materialien, an Dämpfungen, an Höhen und Einsatzzwecken. Und um es vorweg zu nehmen: DIE eine Socke habe ich noch nicht gefunden.
Socken sollten einfach gut passen, nicht wie zwei Nummern zu groß am Fuß rumschlabbern, weil gerade keine anderen Socken greifbar waren. Das gibt womöglich Falten am Fußballen, die auf Dauer wieder erhöhten Druck erzeugen. Aber auch nicht zu klein und zu eng, das drückt nur die Zehen aneinander, wo es wieder zu unnötiger Reibung kommen kann.

Neue, ungetragene Socken sollten zudem vermieden werden, um eine Wanderung zu bestreiten. Die Textilfasern haben sich noch nicht richtig „geordnet“, das gibt sich durch das Tragen der Socken. Tragt neue oder frisch gewaschene Socken zwei oder drei Abende ein paar Stunden Zuhause. So ordnen sich die Fasern und verursachen weniger Reibung auf der Haut.
Vermeidet Socken aus Baumwolle. Das geht sicher auch, doch Baumwolle ist eine Hohlfaser, die Feuchtigkeit aufnimmt und nur schlecht wieder abgibt. Und Feuchtigkeit, ihr wisst, begünstigt wieder die Blasenbildung. Geeigneter sind synthetische Materialien oder Wolle wie Merino.


Sollten die Socken unterwegs doch feucht geworden sein, wechselt sie. So verhindert ihr effektiv Feuchtigkeit im Schuh und am Fuß. Auch nach längerem tragen der Socken sammelt sich Schmutz oder feiner Staub in ihnen, der scheuern kann, auch hier regelmäßig wechseln und dann auswaschen.

„SOCKEN – KONZEPTE“

Seit ihr bei dem Thema Socke schon fündig geworden, dann kann ich nur gratulieren. Sollte bisher alles noch nicht gefruchtet haben, dann können wir die Socke auch noch auf verschiedene Art und Weise tragen, was durchaus helfen kann, aber auch nicht muss. Wäre ja auch zu einfach…

Ein erstes Konzept wäre da zum Beispiel die „Linersocke“. Dabei zieht man sich eine sehr dünne Socke unter die eigentliche Wandersocke an. Das Prinzip beruht darauf, dass die Reibung nun zwischen den beiden Socken stattfinden soll und nicht mehr zwischen Haut und Socke. Dem hat sich auch die Firma Wrightsock angenommen, die gleich eine doppellagige Socke herstellt. Einige schwören darauf, ich bin leider noch nicht überzeugt davon.

Eine andere Art, wie man eine Socke tragen kann, sind die Kompressionsstrümpfe oder –socken.  Oft sieht man diese bei Läufern, fast bis zum Knie gehend und mitunter quietsche bunt. Das Prinzip dahinter ist, das durch den straffen Sitz die Blutzirkulation erhöht wird und man so leistungsfähiger sein soll. Da es diese Socken aber auch in kurz gibt, bleibt hier aber fast nur der straffe Sitz übrig. Dies hat aber meist die Folge, dass die Socke nun nicht mehr am Fuß hin und her scheuert. Bei meinen  Tageswanderungen als auch auf dem Malerweg habe ich persönlich recht gute Erfahrungen damit gemacht, auch wenn es der Weisheit letzter Schluss wohl noch nicht ist.

Am Thema Socke könnt ihr sehen, wie umfangreich das sein kann, wenn man mit Blasen so seine liebe Not hat. Jeder hat da ein anderes Gefühl dafür, was angenehm ist. Dicke oder dünne Socken, Wolle oder Synthetik, mit oder ohne Liner. Das bedeutet, probiert, worin ihr euch wohlfühlt und ein gutes Gefühl habt, auch nach 20 km. Probiert diese Schiene weiter oder wenn es nicht passt, probiert was vollkommen Neues aus. Es braucht seine Zeit, aber irgendwann passt es.

UNUMGÄNGLICH – DAS RICHTIGE SCHUHWERK

Oft wird geraten, dass man neue Schuhe einlaufen soll. Handelt es sich um Lederschuhe, dann trifft dies wohl zu. Das Leder ist noch starr und dadurch unflexibel, was sich aber Aufgrund der Nutzung, also des „Einlaufens“, gibt. Das Material wird weicher, schmiegt sich besser an euren Fuß an und bildet so keine Druckpunkte mehr. Bei Schuhen aus synthetischen Materialien, wie einen Laufschuh, halte ich das nicht unbedingt für nötig. Schaden tut es natürlich aber auch nicht.
Vermeidet Schmutz im Schuh, wie kleine Ästchen, Tannennadeln oder Steinchen. Das kann manchmal, kaum bemerkt, kleine Druckstellen geben, was auf Dauer wieder zu Blasen führen kann.

Viele schwören auf Goretex als Material, was den Schuh wasserdicht macht. Somit bleibt Wasser draußen, leider auch Feuchtigkeit durch Schweiß im Schuh. Gerade im Sommer sind schwitzige Füße dann ein Problem. Eine nasse Wiese oder Regen lassen den Schuh ohne Goretex natürlich auch nass werden, doch lüftet das relativ schnell wieder ab. Hier kann man sicher auch etwas Aufgrund der Jahreszeit variieren, im Sommer ohne Membran, im Winter dann mit.

Auch ist die Wahl des Schuhwerks im Allgemeinen nicht ganz unwichtig. Brauche ich einen schweren, ledernen Schuh, wenn es eine flache und leichte Wanderung wird? Reicht evtl. auch ein leichter Halbschuh, wo man angenehmer läuft und noch Gewicht spart? Bin ich eher schnell oder doch sehr gemütlich unterwegs? Alles eine Frage des eigenen Geschmackes, hier bietet die Industrie glücklicherweise für jeden Geschmack eine große Auswahl an, in allen erdenklichen Ausführungen.  Auch Alex von Bergreif hat sich zum Thema Trailrunning-Schuhe gerade so seine Gedanken gemacht.

WENN ALLES VERMEIDEN UMSONST WAR

Aller Tipps und Ratschläge zum Trotz, ab und an wird es vorkommen, das sich doch mal eine Blase ankündigt. Ein Brennen der jeweiligen Stelle zeigt, hier stimmt was nicht. Seit ihr fast am Ziel, okay, dann ist es nicht ganz so schlimm, habt ihr noch ein Stück zu gehen, dann empfehle ich, den Bereich zu prüfen und evtl. Gegenmaßnahmen einzuleiten, das heißt, diese Stelle vor weiterer Reibung zu schützen.
Aber erst mal Socke aus und auf Irritationen prüfen. Gab es Verunreinigungen, eventuell auch nur eine Falte? Feuchte Socke vielleicht? Erwägt den Tausch der Socke, falls ein Wechselpaar vorhanden ist. Doch vorher widmen wir uns der Reizung. Ist diese durch einen Fremdkörper oder eine Falte der Socke entstanden, dann könnte das Wechseln der Socke schon ausreichen. Trotzdem würde ich ein Abkleben mit Tape hier empfehlen.

Sehr bewährt hat sich dabei LEUKOTAPE classic. Es klebt sehr gut und rollt sich am Fuß eigentlich auch nicht zusammen. Es wird in 2 verschiedenen Breiten angeboten, die 20 mm Breite Ausführung ist wohl die Vielseitigere. Bei Wanderungen habe ich immer welches dabei.
Wenn es nicht mehr weit bis ins Ziel ist, kann man auch COMPEED Pflaster verwenden. Das sind spezielle Pflaster für Blasen, erhältlich in verschiedenen Größen und Formen, aufpassen beim Kauf. Sie sind wie ein kleines Gelkissen was auf die Haut aufgebracht wird. Zum einen gibt es ein wenig Schutz und polstert, zum anderen enthält es  einen Wirkstoff, der die Feuchtigkeit aus der Blasenregion entziehen soll. Persönlich verwende ich sie aber nur zur Nachsorge, da sie meiner Meinung nach die Belastung von längerem Wandern (bei mir) nicht mitmachen und verrutschen. Ist es nur noch einen Katzensprung, dann immer drauf damit.

Ein Tipp von Anne: Wer das Compeedpflaster trotzdem benutzen möchte oder muss, überklebt es dann mit dem Leukotape. So wird das verrutschen verhindert und nichts klebt an der Socke fest. Habe ich am Wochenende bei der Auer Schneekristall Wanderung selbst getestet und war begeistert. Nach 22 km alles OK und kein verkleben an der Socke. Danke für den Tipp!

Ups, da ist aber einiges zusammengekommen. Kein Wunder, kann es ja auch ein komplexes Thema sein, hat man Probleme damit. Wie so oft sind dies aber auch nur Tipps und Anregungen von meiner Seite. Es gibt viele, die sich ebenso mit Blasen herumärgern müssen, andere greifen gedankenlos in eine Sockenkiste und haben keine Probleme. So ist das nun mal.
Probiert etwas rum, experimentiert, mit was ihr am besten zurechtkommt. Verliert nicht den Mut, ich drück die Daumen.

Euch fehlt noch was? Ihr habt selbst noch einen heißen Tipp für andere zum Thema? Dann schreibt einen Kommentar dazu und helft anderen dabei, blasenfrei zu werden! Danke.

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