Malerweg Blick auf Festung Königstein

Wir wachen an unserem letzten Tag gut erholt auf. Unsere erste Aktion: Wetter checken, per App als auch im TV. Im Fernsehen bestätigt sich leider die Ankündigung vom Vorabend, Unwetter und Starkregen seien möglich. Die Wetter-App sieht es ähnlich, obwohl noch keine markanten Wolkenformationen auf dem Regenradar zu sehen sind. Wir schauen uns den letzten Tag auf der Karte an. Nach einigem Abwägen entscheiden wir uns für die defensive Variante, wir lassen den Gohrisch als auch die Pfaffensteine aus und kürzen ab. „Chicken Exit“ ist nicht so prall und ein ganz sicher auch ein wenig ärgerlich, aber wir wollen kein Risiko eingehen, die Gesundheit geht eindeutig vor.

Der Plan steht, wir beeilen uns nun, packen alles schon mal zusammen und gehen frühstücken. Hier erfahren wir vom Verwalter einiges über die Geschichte. Das Gelände steht seit 2004 unter Denkmalschutz und darf in seinem Aussehen nicht verändert werden, einer der Gründe, warum hier alles noch nach DDR ausschaut, selbst die Gardinen dürfen nicht gegen Neue ersetzt werden.

Historischer Blick inklusive – die Thiele-Aussicht

Wir starten in Richtung Pfaffendorf. Von weitem können wir schon die Festung Königstein auf der gleichnamigen Erhebung sehen, majestätisch ziert sie den Tafelberg. Wir durchqueren Paffendorf und gleich danach auch die Stadt Königstein selbst. Der Aufstieg zur Festung geht über Stufen und Wege bergan. Oben angekommen, kann man die Größe und Schönheit der Anlage nur erahnen, zu sehen sind nur hohe Mauern und viel Fels. Da wir aber schon einige Mal hier waren, sehen wir von einem Besuch ab und folgen dem Malerweg abwärts.

Wenige Kilometer weiter erreichen wir das Biedermann Mausoleum in Thürmsdorf. Es ist eine Art kleiner Pavillon, er ragt am Hang aus den Bäumen heraus. Die Aussicht von hier ist, wie ich finde, eine der schönsten des ganzen Weges, auch als Thiele-Aussicht bekannt, frei nach dem Maler Alexander Thiele. Die Elbe beschreibt einen leichten Bogen, rechts der Königstein mit Festung, links ragt der Lilienstein empor. Für solche Aussichten quält man sich doch gern.

Bisher war das Wetter noch in Ordnung, doch nun zieht es rein, dunkle Wolken ziehen auf. Meine Frau dringt auf Tempo. Auch die Rauensteine lassen wir aus, laufen deshalb nur unterhalb der Felsen vorbei. Mitten im Wald hören wir Donnergrollen, kein gutes Zeichen. Kurz danach glauben wir, das Gewitter unterlaufen zu haben. Leider ein Irrtum.

AUF DEM ELBRADWEG DEM ZIEL ENTGEGEN

Beim Aufstieg von Pötzscha nach Naundorf ist es dann aber soweit. In einem kleinen Waldstück stellen wir uns unter, es schüttet junge Hunde. Die Bäume geben bald keinen Schutz mehr, schnell ziehen wir uns die Regenbekleidung an. Gut 10 Minuten lassen wir das Wetter über uns ergehen bis es etwas weniger wird. Wir laufen wieder los, dunkelgrau zieht das Gewitter ab, immer wieder dunkles grollen zu hören. Die Sonne bricht wieder durch die Wolken, schlagartig ist es drückend und schwül warm. Leider kann aber keine Entwarnung gegeben werden, von Süden ziehen weitere dunkle Wolken heran.

Es ist nicht mehr weit, fünf oder sechs Kilometer bis Pirna. Es geht oberhalb der Elbe durch die Elbleite, einem kleinen Waldgebiet am Hang. Der Boden ist aufgeweicht, umgestürzte Bäume versperren mehrfach den Weg. Sie liegen wohl schon etwas länger, wie die Spuren verraten, die sich um die Hindernisse schlängeln. Am Ende dieses Abschnittes ein letzter Abstieg zur Elbe. Dieser Abstieg mündet nun auf den Elberadweg, welchen wir nun bis Pirna noch teilen und folgen. Durchnässte Radfahrer kommen uns entgegen, auch sie hatten wohl weniger Glück mit dem Wetter. Eine Kioskbesitzerin erzählt, es habe fast waagerecht geregnet. So bedauerlich die Kürzung des Weges heute war, wir sehen uns aber doch etwas bestätigt, richtig entschieden zu haben.

Drei Kilometer geht es auf Asphalt an der Elbe entlang Richtung Pirna. Dann ist es soweit, wir stehen vor dem Canalettohaus, welches sich auf dem Markt in Pirna befindet. Es markiert das Ende des Malerweges. Etwas geschafft von der schnellen Gangart heute, blicken wir uns noch einmal wehmütig etwas um. Vollendet, unsere erste Weitwanderung…und das ohne Kamm! Erneut setzt Regen ein, nicht mal ein Bild vom Ziel ist drin. Nicht schlimm, wir sind trotzdem ziemlich happy.

KLEINES FAZIT ZUM MALERWEG

Der Malerweg ist eine klare Empfehlung. Man kann die Tour in zwei Hälften teilen. Der erste Abschnitt nördlich der Elbe ist deutlich fordernder, mit vielen Auf- und auch Abstiegen. Hier findet man aber auch die spektakulären Aussichtspunkte auf die Felsen des Elbsandsteingebirges, auf die Elbe und das weite Umland. Unter den Highlights sind sicher Bastei, der Kuhstall oder die Goldsteinaussicht zu nennen.

Ist der Abstieg nach Schmilka gelungen hat, kann man dort den ersten Teil bei Kaffee und Kuchen Revue passieren lassen. Von hier aus setzt man mit der Fähre über die Elbe. Nun beginnt von hier aus der etwas zahmere Teil der Wanderung. Es wird weitestgehend hügelig und man oft den Blick ins Elbsandsteingebirge auf der Nordseite, dort wo man vor Tagen vorbeigewandert ist. Über zwei Felsen führt der offizielle Weg, die wir aber aus den beschriebenen Gründen ausgelassen haben. Aber auch ohne diese Besteigungen hat dieser Abschnitt uns Freude bereitet.

Bei der Planung sollte man sich der zu bewältigten Höhenmeter bewusst sein, ein Umstand, den ich auch etwas unterschätzt habe. Von der Fitness her war es noch OK, aber wir hatten auf mehr Zeit gehofft, hier und da mal etwas zu verweilen. Bei fest gebuchten Unterkünften war uns dies leider nicht immer möglich.
Überhaupt ist anzuraten, dass man sich frühzeitig um die Übernachtungen kümmern sollte. Das Elbsandsteingebirge ist ein kleiner touristischer Hotspot in Sachsen, kurzfristige Buchungen in den am Weg befindlichen Hotels oder Pensionen können dann schon mal ins Leere laufen. Zumal der Wanderer oft nur eine Übernachtung buchen wollen, was gefühlt, ab und an nicht gewollt war.

Der Weg ist für 8 Etappen ausgeschrieben, bei unseren 4 Tagen ging es schon sportlich zu, mit 5-6 Etappen sollte es aber in einem angenehmen Rahmen machbar sein, sodass man auch die Landschaft gut genießen kann.

Hier geht es zu den anderen Seiten vom Malerweg:

Vorbereitungen auf den Malerweg

1.Tag – von Pirna nach Waitzdorf

2.Tag – Von Waitzdorf nach Saupsdorf

3.Tag – von Saupsdorf nach Gohrisch

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